Krzel Farbe

Begegnungreise nach Peru... Und Greta ist immer dabei

Ich, Lehrer, 39 Jahre alt, CO2 Fußabdruck von ca. 12 t/Jahr seit 20 Jahren - also ökologisch hoch verschuldet (beruflich und privat), mache eine Begegnungs- und Lernreise mit 7 Berliner Schüler*innen nach Peru zur nachhaltigen Kakao- und Kaffeeproduktion.

Gleichzeitig bin ich für radikalen Klimaschutz, habe selbst 2 Kinder und gehe zu Fridays for future Demonstrationen in Berlin. Am 20.9.2019 war ich noch auf der großen Klimademo von FFF und dann 6 Tage später im Flieger nach Peru! ... Geht das in Zeiten eines immer deutlich spürbareren Klimawandels eigentlich noch? Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich diese seit einem Jahr geplante Reise doch noch kurzfristig absagen sollte.

Wie geht man am besten mit diesem Widerspruch um, ohne sich komplett unglaubwürdig zu machen? Ehrlich gesagt, ich habe keine befriedigende Lösung und suche noch danach. Ich bewundere Greta für ihre Kompromisslosigkeit in der Frage des individuellen C02-Fußabdrucks. Asperger-Menschen können sich keine kognitiven Dissonanzen aufbauen bzw. Widersprüche im Denken und Handeln relativieren und Verdrängen. Wir Nicht-Asperger-Menschen tun dies aber ständig.

Wenngleich der CO2 Ausstoß nur eine Komponente in unserem gesamten Ressourcenverbrauch ist – der ökologische Fußabdruck ist die umfassendere und bessere Maßeinheit – so macht der CO2-Ausstoß doch einen wesentlichen Teil unseres nicht-nachhaltigen Lebensstils aus. Der Flug Berlin-Lima-Berlin mit Zwischenlandung in Madrid verursacht ziemlich genau 7 Tonnen CO2 Äquivalente / Person. Ein jährlich global gerechtes CO2-Budget / Person liegt bei 2 Tonnen. Der deutsche Durchschnitt liegt bei 10 t/Jahr/Person. Was also tun, wenn die 2 t/Jahr/Person derzeit eher unrealistisch sind?

Zunächst einmal kann man das Mindeste tun und das CO2 kompensieren, also für den zusätzlichen Ausstoß bezahlen. Das hat in unserem Fall 160 € gekostet (ca. 23€/t). Das Projekt Klimakollekte von Brot für die Welt verwendet diese 160 €, um unsere Emissionen durch C02-Einsparprojekte auszugleichen. Bei einem CO2 Preis von 180 €/t – wie es u.a. das Umweltbundesamt und FFF fordern – würde unser Flug inkl. CO2 Preis bei rund 2000 € liegen. Damit würde unsere Fernreise wieder zu dem werden, was sie einmal war: ein Luxusgut auf das man sparen muss und das man sich nur alle paar Jahre mal leisten kann. Stellt sich nun die Frage – wäre das so schlimm? Ich denke nicht. Wir brauchen für das Halten unseres Lebensstandards keine jährlichen Fernreisen. Macht man eine solche Fernreise nur alle 5 Jahre, so verteilen sich die 7 Tonnen CO2 auf 1,4 Tonnen CO2/Jahr, was den jährlichen persönlichen Fußabdruck massiv verringern würde.

Ich selbst habe mir das Ziel von jährlich max. 6 Tonnen CO2 gesetzt – eine Halbierung meines derzeitigen jährlichen Ausstoßes. Ist das nun radikal? Es ist im Vergleich zu den individuellen CO2-Reduktionsbemühungen der meisten Deutschen und im Vergleich zu den aktuell geplanten Klimaschutzmaßnahmen der Bundesregierung durchaus radikal. Angesichts der derzeitigen Klimaprognosen kann man es aber nicht als radikal genug bezeichnen.

Radikale Verhaltensänderungen aufgrund von "Einsicht und Lernen" finden bei Menschen sowieso nicht allzu häufig statt. Meistens gibt es radikale Verhaltensänderungen durch neue Technik und/oder „by desaster“. Von daher sind meine Erwartungen an radikale Verhaltensänderungen durch Einsicht und Lernen nicht allzu hoch. Gleichzeitig möchte ich mich aber nicht passiv und resignierend auf Verhaltensänderung „by desaster“ zurückziehen. Als Lehrer, der sich als pädagogischer Entwickler versteht und sich auch selbst noch in hohem Maße weiter entwickelt, möchte ich klimaschonende Lernprozesse gemeinsam mit den Jugendlichen einüben. Denn darin liegt für mich der Kern des Lernens – im Einüben von etwas Neuem.

Klimabewusstsein besitzen viele Jugendliche und Erwachsene. Doch handeln wir immer wieder in alten eingeübten Gewohnheiten, eben weil wir es so gewohnt sind und sie meist sehr bequem sind. Für das Lernen und den Unterricht bedeutet das für mich, den ökologischen Fußabdruckrechner mit den Jugendlichen nicht nur zu erarbeiten und ihn einmal anzuwenden. Vielmehr geht es mir darum zu üben, diesen auch stückweise zu reduzieren. Das kann nur gelingen, wenn wir wieder üben, Prioritäten in unserem Konsumverhalten zu setzen. Das klingt banal. Ist es aber nicht. Die meisten Kinder und Jugendlichen in Deutschland (ausser diejenigen, die in materieller Armut leben) tendenziell eher gewohnt sind, dass fast alles zu jeder Zeit verfügbar und konsumierbar ist.

Global betrachtet geht es den Menschen in Deutschland materiell sehr gut und das Maß an Sicherheit ist relativ hoch. In so einer Umgebung müssen häufig keine Konsumprioritäten getroffen werden. Ist man aber ernsthaft daran interessiert, durch die Reduktion des individuellen CO2- und sonstigen Ressourcenverbrauchs, das Klima und eine lebenswerte Erde für sich, andere und seine Kinder zu erhalten, muss das Setzen von Konsumprioritäten eingeübt und trainiert werden – quasi als Basisqualifikation für weniger klimaschädliches bzw. enkeltaugliches Verhalten. Das bedeutet konkret einzuüben, wie man Ressourcen einspart (Suffizienz) und sparsam einsetzt (Effizienz). Hier liegen große individuelle Potenziale für die CO2 Reduktion. Leider ist die Klimadebatte derzeit allzu stark auf den Stromsektor, Erneuerbare Energien und E-Mobilität beschränkt. Das muss sich ändern. Suffizienz, Effizienz und Konsistenz müssen als gleichwertige Nachhaltigkeitsstrategien gesehen werden. Wir können es uns schlicht nicht mehr leisten, auf Effizienz und Suffizienz zu verzichten bzw. diese stiefmütterlich zu behandeln. Darauf zu hoffen, dass sich der materielle Ressourcenverbrauch und CO2-Ausstoß vom Wirtschaftswachstum irgendwann einmal entkoppeln könnte (green growth), wie es die meisten politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsträger tun, ist schlichtweg naiv.

Nun die gute Nachricht: immer mehr Jugendliche sind willig, an ihrem CO2-Fußabdruck zu arbeiten. Daher muss eine wichtige Lernaktivität für Lehrer*-und Schüler*innen darin bestehen, den ökologischen Fußabdruck zu ermitteln und kontinuierlich geplant zu reduzieren. Jugendliche müssten ihren persönlichen Fußabdruck innerhalb eines Jahres halbieren lernen. Im Kampf gegen den Klimawandel helfen keine reinen Sensibilisierungs- und Bildungsmaßnahmen mehr, sondern nur noch reale, messbare Reduktionen von CO2, globalen Hektar und virtuellen Wassers.

Unser Bildungsansatz verbindet beide Komponenten mit dem Ziel einer wirklichen Handlungsorientierung. Wir erlauben uns in unserem Lernansatz neben den Lerndimensionen Kopf und Herz auch die Dimension der Hand zu fördern und im Sinne der nachhaltigen globalen Entwicklung mit den Jugendlichen zu üben. Es erscheint vor dem Hintergrund des derzeit immer noch vorherrschenden Zeitgeistes des „höher, schneller, weiter“ wie ein Luxus – sollte aber angesichts der gewaltigen ökologischen und damit gesellschaftlichen Probleme vor denen wir stehen, eine Selbstverständlichkeit sein.

Mein Job als Lehrer besteht darin, den Jugendlichen in kontinuierlichen Prozessen bei der planvollen CO2 Reduktion zu helfen und gleichzeitig Vorbild zu sein. Dafür braucht es einen individuellen Plan, Zeit und Raum in der Schule. Wenn pro Woche ca. 15 Minuten für die Reflexion dieses Prozesses zur Verfügung stünden, wäre das ein guter Anfang. Jeder stellt in 15 Minuten seinen individuellen Plan für einen Monat und ein Jahr vor und muss nach einem Monat berichten, wie weit er/sie mit der CO2 Reduktion gekommen ist. Es muss zu einem Art Lerntagebuch für zukunftsfähiges Verhalten werden. Konkrete Instrumente dazu sind z.B. die Klimakollekte-App zum CO2-Sparen von Brot für die Welt und der CO2-Rechner mit Monitoring-Funktion vom Umweltbundesamt (https://uba.co2-rechner.de). Es muss in der Schule und beim Lernen um konkrete CO2-Reduktionen und Ergebnisse gehen, statt nur um pädagogische Ansätze. Die Lücke zwischen Sein und Bewusstsein muss verkleinert werden, ansonsten ist globales Lernen und Bildung für nachhaltige Entwicklung unglaubwürdig und wirkungslos.

In diesem Sinne möchte ich meine pädagogischen Aktivitäten von jetzt an gestalten.

Christian Blau, Schülerfirmencoach und Lehrer und Mitinitiator von Social Entrepreneurship Education

Erste Impressionen der Reise finden sich hier: https://www.instagram.com/artisferiaberlin/

Zum Lernen in Peru... Artis Feria unterwegs

Derzeit befindet sich die Schülerfirma „Artis Feria“ der Johannes Schule Berlin auf ihrer Lernreise in Peru, wo sie ihre Partner*innen der Kakao- und Kaffeekooperativen besuchen. Dort helfen sie aktiv bei der Ernte mit, erfahren von den Verantwortlichen vor Ort wie das mit Ernte, Verarbeitung und Handel funktioniert und wie das alles fair und nachhaltig abläuft. Quasi: Social Entrepreneurship zum Anfassen!

Doch die sieben Schüler*innen treffen nicht nur die Partnerkooperativen und weitere Experten wie bspw. Hildebrando Cardenas von der Tropenwaldstiftung Oro Verde. Sie werden auch einen Tag an dem Colegio Waldorf in Lima verbringen um den Aufbau einer Schulpartnerschaft voranzutreiben. Die Schulpartnerschaft soll das Thema Social Entrepreneurship Education noch wirksamer und nachhaltiger verankern.  

Erste Impressionen der Reise finden sich hier: https://www.instagram.com/artisferiaberlin/

Ein ausführlicher Bericht über die Aktivitäten finden Sie demnächst nach der Rückkehr der Teilnehmer*innen.

Johannes-Schule erhält Auszeichnung auf internationaler Schülerfirmenmesse

Am 26/ 27. Februar 2019 war die Schülerfirma „Artis Feria“ der Johannes Schule Berlin auf einer Internationalen Schülerfirmenmesse im FEZ Wuhlheide Berlin, an der mehrere internationale Schülerfirmen teilgenommen haben. Charlie Niesner, Felicia Scherf und Isa Renner Samanci der 11. Klasse präsentierten unsere Schülerfirma auf der Bühne.

Wir erhielten in der Kategorie "nachhaltige Gründerschule" eine Auszeichnung für die engagierte Leistung im Bereich wirtschaftliche Bildung für nachhaltige Entwicklung. Dieser Wettbewerb wurde von der Organisation start green @school veranstaltet.

Die Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter des Bundesumweltministeriums übergab uns den Preis. Die Schülerfirmenmesse arbeitete mit der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe zusammen. Auf der Messe verkauften wir erfolgreich unseren Kaffee und andere Produkte. Die Preisgewinner wurden in die VIP-Lounge eingeladen, in der wir umsonst essen durften. Diese Tage haben uns eine Menge Erfahrung bezüglich Kommunikation und Austausch mit anderen Schülerfirmen gebracht.
Geschrieben von: Thi Minh Chau Tran, Jacob Heibrock, Joel Zimmermann, Julian Schmidt und Isa Renner Samanci.

Eindrücke vom Barista-Workshop mit der Schülerfirma Artis Feria 

Geschildert von Massimo von der Schülerfirma Artis Feria der Johannes Schule

Eines schönen Dienstags im Januar kam Oliver von den Flying Roasters zu uns in die Schule. Flying Roasters ist eine Rösterei in Berlin. Über sie bekommen wir unseren Peruanischen Kaffee für unsere Schülerfirma. Dieser wird von Flying Roasters importiert und hier in Berlin geröstet. 

Oliver erzählte uns einiges über Kaffee, z.B. dass normaler Kaffee gröber gemahlen wird als Espresso. Er erklärte warum das so ist und womit das zusammenhängt. Anschließend probierten wir an unserer Kaffeemaschine den perfekten Mahlgrad zu ermitteln. Er demonstrierte uns auch, wie Espresso eine schöne Crema bekommt und wie man eine schöne Milchschaum Konsistenz bei Latte Macchiato hinbekommt. Im zweiten Teil, eine Woche später, wurde alles nochmal wiederholt und ausprobiert.